Elfenmusik- Nightwish: vom Lagerfeuer zur Welttournee

Volkmar Kuhnle

In Magira 2006 besprach ich mehrere Alben bzw. Musikstücke, die direkt auf den Werken Tolkiens beruhten. Eines der Alben, Nightfall in Middle Earth, behandelte einen Ausschnitt aus dem Silmarillion. Aus diesem Grunde handeln die meisten Lieder auf diesem Album von Elben. Das brachte mich auf die Idee, nachzuforschen, ob es andere Musikstücke gibt, die ebenfalls die Elben thematisieren. Das erste Ergebnis dieser Nachforschungen möchte ich heute vorstellen. Es handelt sich um zwei Songs, die beide das Thema »Elben« sehr unterschiedlich angehen: »Elvenpath« von Nightwish und »Calad Vallen« von Elane.

Auf einer Insel: Die Anfänge
Finnland ist ein Land voller Seen – ein Relikt der letzten Eiszeit. Viele dieser Seen enthalten Inseln. Und auf einer solchen Insel, an einem Lagerfeuer, wurde im Sommer 1996 »Nightwish« gegründet.
Gründer der Band war der Musikstudent und Keyboarder Tuomas Holopainen. Die ersten beiden Mitglieder waren der Gitarrist Emppu Vorinen und die Sängerin Tarja Turunen, die Tuomas beide aus der Sibelius-Akademie (Kuopio/Finnland) kannte. Die ersten drei Lieder, zwischen Oktober und Dezember 2006 aufgenommen, waren noch rein akustisch. Aber als Tuomas Tarjas kraftvolle Opernstimme hörte, entschloss er sich, den musikalischen Rahmen »Nightwishs« in Richtung Metal zu erweitern. Konsequent wurde die Band um den Schlagzeuger Jukka Nevalainen ergänzt. 1997 erschien das erste Album Angels Fall First, auf dem sich bereits Metal-Elemente finden, wobei auch die Melodien nicht zu kurz kommen. Die ausgekoppelte Single »The Carpenter« erreichte Platz drei der finnischen Single-Charts. Am 31. Dezember 1997 hatte »Nightwish« den ersten Liveauftritt in ihrer Heimatstadt Kitee.
1998 folgte das zweite Album Oceanborn, das wesentlich ausgefeilter und bombastischer klang als Angels Fall First. Auf Oceanborn dominieren inhaltlich religiöse Themen („Gethsemane«). Inhaltlich ist auch der Song »The Pharaoh Sails To Orion«, der eine ägyptisch angehauchte Fantasygeschichte erzählt, interessant. Dieses Album, das in Finnland mit Gold ausgezeichnet wurde, markiert den Durchbruch für »Nightwish«.

Sonnenfinsternis und beinahe eine Teilnahme am Eurovision Song Contest
1999 wurde anlässlich der totalen Sonnenfinsternis die Single »Sleeping Sun« veröffentlicht, die auch auf der Neuausgabe von »Oceanborn« zu finden ist. Als Besonderheit gibt es von diesem Song zwei Versionen (die zweite von 2005), jeweils mit verschiedenen Videos.
Im Jahre 2000 versuchten »Nightwish«, sich in Finnland für den Eurovision Song Contest zu qualifizieren. Die Zuschauer wählten sie auf Platz 1, aber die Jury setzte sie auf den letzten Platz, so dass »Nightwish« nur Platz 2 erreichte. Dafür festigte die Band ihren weltweiten Ruf mit dem Album Wishmaster, das im selben Jahr erschien. Der Titelsong enthält direkte Referenzen zu Tolkiens Werken – durch die Worte »Elbereth« und »Lorien« im Text. 2000 stand auch die erste Südamerikatour auf dem Programm, auf der Tarja ihren späteren Ehemann Marcelo Cabuli kennenlernte.
Das Jahr 2001 war geprägt von einer Coverversion des Gary Moore-Klassikers »Over the Hills and Far Away«, der ebenfalls großen Erfolg hatte.

Century Child und Once
Danach geriet die Band in eine Krise; Tuomas ging nach Lappland, um seine Gedanken zu sortieren, und stand kurz davor, »Nightwish« aufzulösen. Aber kurz darauf fing er sich wieder, und die Band setzte ihre Arbeiten mit Aufnahmen zum Album Century Child fort, das im Frühjahr 2002 auf den Markt kam. Auf dieser CD, deren Titelbild eine Elfe ziert, wurde bei vier Titeln erstmals ein Orchester eingesetzt. Die Strukturen der Songs, teilweise angelehnt an klassische Symphonien, wurden zusehends komplexer. Spätestens mit diesem Album ist »Nightwish« dem Metal-Subgenre Symphonic Metal zuzuordnen, während sie vorher eher als Power Metal eingestuft wurde. Auf Once coverte die Band den Titelsong des Andrew Lloyd Webber-Musicals »Phantom of the Opera«, eine Version, die bei vielen »Nightwish«-Fans Anklang fand und seitdem oftmals bei Konzerten gewünscht wird. Century Child war der bis dahin größte Erfolg der Band, dem die bis dahin größte Welttournee »Nightwishs« folgte.
Im gleichen Jahr setzte Tarja Turunen ihre musikalische Ausbildung an der Musikhochschule Karlsruhe fort.
2003 erschien die DVD End of Innocence, auf der Tuomas Holopainen und Jukka Nevalainen die Geschichte »Nightwishs« in ihren eigenen Worten erzählen. Daneben finden sich auf dieser DVD einige Musikvideos und Konzertausschnitte. Im gleichen Jahr heiratete Tarja Turunen Marcelo Cabuli, den sie 2000 in Argentinien kennengelernt hatte; er war einer der Promoter der ersten Südamerika-Tour der Band. Ende 2003 wurde ihr darüber hinaus eine besondere Ehre zuteil: Sie durfte beim Jahresempfang der finnischen Präsidentin Tarja Halonen anlässlich des finnischen Unabhängigkeitstages auftreten.
Aufgrund des überragenden weltweiten Erfolgs von Century Child wurde das nächste Album Once mit einem nie dagewesenen Aufwand aufgenommen. Als Aufnahmeort dienten die legendären Abbey Road Studios in London, in denen u.a. die »Beatles« ihre letzten gemeinsamen Werke aufgezeichnet hatten. Als Orchester diente das berühmte London Symphony Orchestra, das bereits an der Filmmusik zu Peter Jacksons Herr der Ringe-Trilogie beteiligt gewesen war (siehe auch Magira 2005). Logischerweise wurde Once das bisher monumentalste »Nightwish«-Album. Der Sound wurde um Rammstein-ähnliche Gitarrenriffe im Song »Wish I had an Angel« und indianische Elemente in »Creek Mary’s Blood« erweitert. Tarja Turunens Gesang ist auf Once vielseitiger und weniger opernhaft als auf den vorherigen Alben.

   
       
 
Design: (c) 2006 Stefan Holzhauer || Inhalt: (c) 2006 - 2007 Fantasy Club e.V.